Wo die Legionäre marschierten

Römerstraße durch das Rheindelta in Hard nach 2000 Jahren aufgedeckt.

Wie ein breites graues Band zieht sie durch den feuchten, lehmigen Riedboden: die römische Straße, die einst Brigantium/Bregenz mit dem (heutigen) Schweizer Raum jenseits des Rheins verband. Erstmals konnten Archäologen nun ein 60 m langes, zusammenhängendes Stück dieses (fast) genau 2000 Jahre alten Verkehrsweges freilegen.

Abb. 1: Die römische Kiesstraße wurde im Herbst 2020 auch mittels Drohnenfotos dokumentiert (Foto: Fa. Talpa GnbR).

Das Bauareal am Bommenweg in Hard war bereits seit Längerem als „Archäologische Fundzone“ ausgewiesen. Im Herbst 2020 fanden hier im Auftrag des Bauträgers, der VOGEWOSI, und in Abstimmung mit dem Bundesdenkmalamt Grabung durch die archäologische Grabungsfirma Talpa (Wörgl) statt. Der Bagger braucht hier nur ein wenig den Oberboden abzuziehen und der 5 bis 7 m breite Schotterkörper der alten Straße kam zum Vorschein.

Antike Verbindung

Diese (offensichtlich zweispurige) Fahrbahn hat mit den berühmten steingepflasterten Straßen, wie man sie etwa aus Pompeji kennt, nicht viel gemeinsam. Hierzulande bestanden römische Fernstraßen aus einer etwas gewölbten Schotterdecke, die immer wieder (wie auch in Hard) ausgebessert werden musste.

Das vierköpfige Archäolog/innen-Team konnte von dieser Oberfläche mehrere römische Münzen bergen, die zeigen, dass die Verkehrsachse noch bis ins 4. Jahrhundert nach Christus benutzt wurde.

Abb. 3: Im feuchten Boden haben sich die römischen Holzpfähle bestens erhalten. Sie wurden durchgehend im Jahr 19 n. Chr. gefällt (A. Picker).
2000 Jahre altes Holz

Eine echte Seltenheit ist jedoch die hölzerne Baustruktur, die die Straße an ihrer Südseite parallel begleitet: Hier wurden hunderte Holzpfosten aus jungen Birkenstämmen dicht an dicht in den Boden eingeschlagen, sodass sie eine Art „Palisade“ bildeten. Um die Befestigung eines Entwässerungsgrabens (oder ähnlich) kann es sich nicht gehandelt haben, da die zugespitzten Hölzer nur gut einen halben Meter von der Höhe der Straße aus eingeschlagen worden sind.

Eher dürfte diese Pfostenreihe zur Stabilisierung des feuchten und weichen Untergrundes im Zuge des Straßenbaus gedient haben. Bereits 2017 konnten im Zuge eines Neubauprojektes am Rabenweg einige Hölzer dieser Pfostenreihe mittels Dendrochronologie (Jahrringdatierung) untersucht werden.

Demnach wurden die Stämme einheitlich im Jahr 19 n. Chr. gefällt, wobei die Straße selbst gegen 21 n. Chr. angeschüttet worden sein dürfte. Eine genaue Untersuchung der jetzt entdeckten Hölzer ist geplant. Jedenfalls ist die römische Rheindelta-Straße fast auf das Jahr genau 2000 Jahre alt.

Abb. 2: Über 60 m Länge wurde eine hölzerne Befestigung parallel zur südlichen Straßenkante freigelegt (Fa. Talpa GnbR).
Ad Rhenum

Antike Schriftquellen überliefern, dass es „Am Rhein(übergang)“ eine Straßenstation mit Namen „Ad Rhenum“ gab. Eine Lokalisierung dieses rätselhaften Ortes (um Höchst oder Rheineck?) ist allerdings noch nicht gelungen. Die römische Straße nach „Ad Rhenum“ verlief ähnlich der heutigen Bahnlinie von Bregenz kommend über Lauterach gerade nach Westen und bog bei Hard nach Südwesten in Richtung Höchst.

Dort muss sie irgendwo einen alten Lauf des Flusses gequert haben. Ob sich noch die (ebenfalls hölzernen?) Reste einer römischen Brücke finden lassen, könnten zukünftige Forschungen zeigen.

Autor: Dr. Andreas Picker MA, Bundesdenkmalamt

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