Wein und wohlige Wärme – was will man mehr? Leben auf Neu-Montfort

Wie lebte es sich auf der Burg Neu-Montfort? Dieser Frage gingen Archäologen der Firma Ardis GmbH im Jahr 2021 nach, als im Zuge der umfassenden Revitalisierung der Ruine Neu Montfort archäologische Untersuchungen notwendig wurden, um die historische Bausubstanz besser erforschen und dann sanieren zu können. Fundstücke aus der Zeit der Burg sollen helfen, Einblicke in die bauliche wie chronologische Entwicklung der Anlage und in den Alltag seiner Bewohner zu geben. Die Grabungen konzentrierten sich auf zwei Bereiche. Erstens das Innere des Bergfrieds und zweitens den nordwestlichen Bereich, wo sich der einstige Palas (Haupthaus) befunden hat.

Die Burg – Lage, Geschichte und Grundriss

Die Burg Neu-Montfort in der Marktgemeinde Götzis wurde im Auftrag der Grafen Rudolf III. und Ulrich II. von Montfort-Feldkirch nach 1311 errichtet. Sie ist urkundlich erstmals für 1319 bezeugt. Dieses Jahr wurde durch eine dendrochronologische Datierung von Eichenbalken aus dem Bereich des einst den Turm umlaufenden, hölzernen Wehrgangs bestätigt. In der 2. Hälfte des 14. Jahrhunderts kommt die Burg an die Habsburger. Das Besondere an Neu-Montfort ist der Umstand, dass diese Burg, als eine der wenigen Vorarlbergs, im Zuge der Appenzellerkriege nicht zerstört wurde. Als der kriegerische Konflikt 1405 auf das Gebiet des heutigen Vorarlbergs übergriff, wurde Götzis in Brand gesetzt und die Burg vom “Bund ob dem See” besetzt, bzw. von dessen Vogt Hans Fatzmann verwaltet. Als 1408 der Bund vor Bregenz eine schwere Niederlage einstecken musste, wurde Neu-Montfort wieder von den Habsburgern übernommen. Nach der Ächtung Herzog Friedrichs IV. von Österreich, zog Kaiser Sigismund das Lehen Neu-Montfort ein und vergab es pfandweise zuerst an die Grafen von Nellenburg und dann 1417 an den Grafen Friedrich von Toggenburg. 1436 wurde es den Habsburgern wieder zurückgegeben, die es ebenfalls meist verpfändeten.

Die letzten größeren Umbauarbeiten erfolgten unter dem Vogt der Herrschaft Feldkirch, Eitel Hans Gienger. Dabei wurden vor allem der Palas und die oberen Turmgeschosse verändert. Mit dem Tod des letzten Verwalters Ulrich Koch 1693 setzt der langsame, aber stetige Verfall der Burganlage ein. Im Gräflich-Wolkenstein’schen Pfandschaftsinventar von 1836 wird berichtet, dass die Bauten bereits „ganz ruiniert“ waren. 1913 kam es zu ersten Sicherungsarbeiten, wofür die Gemeinde Götzis von der Landesstatthalterei für Tirol und Vorarlberg eine Subvention von 350 Kronen erhielt. Die Reste des Palas-Untergeschosses wurden 1937/38 eingeebnet. Umfangreichere Reparaturen erfolgten nach dem Ersten Weltkrieg sowie in den 60er und 70er Jahren des 20. Jahrhunderts.

Der Grundriss von Neu-Montfort besteht aus dem mächtigen, ursprünglich sechsgeschossigen, heute noch fünfstöckig erhaltenen Bergfried. Es wird angenommen, dass der Zugang über einen auf Höhe des zweiten Stocks befindlichen Hocheingang an der Nordostseite erfolgte. Der Turm weist zum Teil noch die originalen Lichtschlitze des 14. Jahrhunderts auf, zum Teil wurden diese zu Beginn des 16. Jahrhunderts zu größeren Fenstern erweitert. Bergfried und Palas waren von einer Ringmauer umgeben, die als einzige Öffnung ein zwei Meter breites, nur mehr in Spuren erkennbares, Burgtor hatte. In der Nordecke des Burghofes bzw. an die östliche Ringmauer angebaut, lagen die Nebengebäude, wie der Pferde-, Schweine- und Hühnerstall, aber auch das zwischen 1564 und 1574 erbaute Badestübchen.

Links die Ansicht von Neu-Montfort von 1595 auf dem Bildstock an der St. Arbogastkirche bei Götzis. Mitte: 3D-Modell des Bergfrieds und des Palaskellers während der Ausgrabung. Rechts: Bekrönungskachel mit Giebelmotiv eines Kachelofens (Ardis GmbH 2021).

Aus dem Jahr 1564 liegt eine Beschreibung der Burg vor, die anlässlich der Kalkulierung von Baukosten für den von Vogt Eitel Hans Gienger geplanten Umbau besichtigt wurde.

„…erstlich im einganng bemelts schloß befunden auf dem selben poden zwen schön gewelbt Weinkeller, die zimblicher weite, auch noch frisch vnnd vnpawfellig sind, darinnen auch er herr voggt sonderlich in dem ainen seine wein, die ime daselbst jerlich wachsen, ligen, vnnd in dem ändern der pawmair sein haus notturfft hat. Volgends auf dem ersten poden oder gemach, wie man die stiegen vom vnnderisten poden hinauf geet, ist ain zimliche Stuben vnd camer neben aneinandern vnd darbey ain khuchi vnd pachofen, alles auf dem selben poden vnnd mit ainer thnr beschlossen, ligt gegen dem dorf Getzis. Vnnd von dem selben gemach hinauf auf den obristen poden daselbst ist souil gelegenlicher weitter platz, das noch ain schöne, herrliche stuben vnnd camer aneinanndern vnnd dartzue kinds- vnnd meggtkamern darneben wol vnd mit guetem fuegen mugen gemacht werden. Item auch auf demselben gemach vnder dem tachstull ain knecht camern, auch ain kornschutti oder vasslege zemachen were;“

Erwähnt werden im Kostenvoranschlag auch mehrere Öfen: „… vnnd dem vndern stubenoffen vnd obern newen stubenofen […] Zwen öffen in die badstuben vnd ain bachofen in die kuchin per XXVIII gülden.“

Der Grabungsbefund

Es war Ziel der Grabungen die Schichtenabfolge bis auf die ursprüngliche Felsoberfläche zu erschließen und entsprechend zu dokumentieren. Die im Inneren des Bergfrieds aufgefundenen Straten sind alle als Schütt- oder Planierschichten anzusprechen. Gehhorizonte, Böden oder Reste sonstiger Einbauten ließen sich nicht eindeutig nachweisen.

Im Fundmaterial fanden sich neben Ziegelbruch und Tierknochenabfällen vor allem Reste von Ofenkacheln, wobei letztere im Bereich der Südostmauer konzentriert vorkamen.
Es zeigte sich deutlich, dass die Fundamente des Bergfrieds direkt auf den anstehenden Felsen aufgesetzt waren. Dieser wurde nicht extra bearbeitet, abgeschrämmt oder anderweitig abgetragen. Die vom Felsen gebildeten Unebenheiten und Höhenunterschiede wurden entweder mithilfe von sorgfältig eingezwickeltem und mit reichlich Mörtel verlegtem Steinmaterial oder einem Lehm-Kiesel-Gemisch ausgeglichen. Es ist anzunehmen, dass erst darüber einfache Böden und Inneneinbauten (Keller, Lagerraum) errichtet wurden, von denen allerdings keine archäologisch fassbaren Spuren mehr erhalten geblieben sind.

Im Bereich des ehemaligen Palas konnten drei Räume des Palaskellers ergraben werden. Ein 3,5 x 4,5 m großer rechteckiger Raum (Raum 1), ein weiterer, 4,75–4,85 m breiter und 12,1 m langer, rechteckigen Raum (Raum 2) und ein trapezförmiger Raum (Raum 3) mit den Abmessungen 4,40 x 5,43–7,74 m.

Die drei Kellerräume des Palas mit der Treppe zu den oberen Stockwerken in der linken oberen Ecke (Ardis GmbH 2021).

Von Raum 1 aus konnte man die Räume 2 und 3 jeweils über einige wenige Stufen erreichen. Auch ging von der Südostecke von Raum 1 aus eine Treppe nach oben ins Erdgeschoss, in dem sich, gemäß der Schriftquelle, einst die Küche befand. So kann der erste Raum wohl als eine Art Flur oder Treppenhaus betrachtet werden. In welchem von den zwei anderen Räumen der besagte Wein gelagert wurde, ließ sich leider nicht mehr feststellen. Wie auch beim Bergfried ruhen die Mauern aus behauenen Steinen großteils direkt auf dem anstehenden Felsen. Gewölbeansätze in den Räumen 2 und 3 bestätigen den Bericht über die „schön gewelbt Weinkeller“.

Südostwand von Raum 2 mit Durchgang zu Raum 1. Oben: die Stufen und die Türschwelle (Ardis GmbH 2021).
Die Funde

In den Versturzschichten fanden sich Fragmente von groben Steinen und Ziegeln (Mauer- und Dachziegel), Keramik, Ofenkacheln, weißem Putz und Mörtel. In der Mitte des Raumes 1 und in direktem Kontakt mit dem felsigen Untergrund, wurden einige Architekturteile (Stabwerk) aus grünlichem Stein gefunden, die wahrscheinlich zu einem Fenster gehörten. Im Mauerwerk der Nordostwand von Raum 2 fand sich das Bodenfragment eines glasierten Keramikgefäßes mit Standfuß, vermutlich eines Grapen.

Die bemerkenswerteste Fundgruppe sind die Ofenkacheln. Bei den Ofenkachelfunden aus dem Turm und den Versturz- und Schuttschichten im Keller des Palas handelt es sich um Blatt-, Gesims-, Leisten- und Bekrönungskacheln. Alle diese Kacheln sind grün glasiert und datieren ins 15. bis 16. Jahrhundert. Basierend auf den verschiedenen Bekrönungskacheln könnten hier die Überreste von bis zu vier Öfen vorliegen. Geht man davon aus, dass ein Ofen jeweils nur eine Verzierungsvariante an Blattkacheln aufweist, so sind es mindestens drei Öfen. Der Schriftquelle des 16. Jahrhunderts zufolge wurde jeweils in die Stube des ersten und des zweiten Stockwerkes des Palas ein Ofen eingebaut. Auch sollen zwei Öfen in der Badestube gestanden haben.

Neben den grün glasierten Kacheln fanden sich im Turm in der gleichen Schuttschicht noch zwei Fragmente von unglasierten Becherkacheln. Ein weiteres Fragment einer Becherkachel fand sich in Raum 3 des Palaskellers. Diese sind älter als die grün glasierten Kacheln und könnten von Vorgängeröfen stammen, die im Zuge der Umbauten um 1570 abgerissen wurden.

Besonders bemerkenswert sind die Bekrönungskacheln. Drei Fragmente zeigen als Motiv vermutlich einen Delfin mit Voluten und Blättern und datieren ins 16. Jahrhundert. Weitere Fragmente stammen von Kacheln die vermutlich ein symmetrisch aufeinander zureitendes Mischwesen aus Pferd und Fisch zeigen, auf dem ein Putto mit erhobenen Armen und Keule in den Händen reitet. Vergleiche findet das Motiv in Bekrönungskacheln aus der Zeit der 1560er bis 1580er Jahre. Neben den Bekrönungskachelfragmenten mit figürlichen Darstellungen wurden noch eine Bekrönungskachel mit Maßwerkornament und eine Bekrönungskachel mit Giebelmotiv aufgefunden. Beide Kacheln sind gebogen und passen sich dadurch der Krümmung eines zylindrischen Ofenturms (Oberbaus) an. Die Kachel mit dem Maßwerkornament datiert wohl noch ins 15. Jahrhundert, während das Giebelmotiv renaissancezeitlich ist.

Beim Großteil der Kachelfunde aus Neu-Montfort handelt es sich um Blattkacheln des 16. Jahrhunderts mit Tapetenmuster (ein Dekor, das sich aneinandergereiht, endlos weiterführen ließe), das in Schablonentechnik hergestellt wurde. Das Zentralmotiv ist eine gespiegelte Arabeske in Sanduhrform. Bei der Schablonentechnik (auch als patronierter Dekor bzw. Patronierung bezeichnet) wird eine Schablone, bestehend meist aus Pergament, Ziegenleder oder Ölpapier, bei der das Motiv scherenschnittartig ausgeschnitten ist, auf ein glattes Kachelblatt gelegt. Im Folgenden werden nur die ausgeschnittenen Teile weiß engobiert, so dass das Muster nach der Glasur als hellere Fläche entsteht. Diese Art der Verzierung tritt nicht vor 1531 auf, kommt aber später regelmäßig vor. Diese Technik war vor allem in der Schweiz, Südwestdeutschland und Vorarlberg verbreitet.

Aufbau eines Kachelofens (links). Fragmente figürlicher Bekrönungskacheln (rechts oben) und einer Blattkachel mit Tapetenmuster in Schablonentechnik (rechts unten) aus Neu-Montfort (Ardis GmbH 2021).

Autorin: Beatrix Nutz, Archäologin bei der Firma ARDIS Archaeology GmbH

Weitere Informationen: „Verein Neu-Montfort“, Verein zur Erhaltung und Belebung von Neu-Montfort

Quellen:
Archiv (burgen-austria.com)

Rosemarie Franz, Der Kachelofen. Entstehung und kunstgeschichtliche Entwicklung vom Mittelalter bis zum Anfang des Klassizismus. (Graz 1969).

Eva Roth Heege, Ofenkeramik und Kachelofen. Typologie, Terminologie und Rekonstruktion im deutschsprachigen Raum. Schweizer Beiträge zur Kulturgeschichte und Archäologie des Mittelalters 39 (Basel 2012).

Josef Kraft, Bauliche Umgestaltung an der Burg „Altmontfort“ um 1570. In: Forschungen und Mitteilungen zur Geschichte Tirols und Vorarlbergs 12, 1915, S. 243–261.

Sarah Leib, Mittelalterliche und frühneuzeitliche reliefverzierte Ofenkacheln aus Tirol und Vorarlberg. Dissertation (Innsbruck 2013).

Alois Niederstätter, Die Vorarlberger Burgen (Innsbruck 2017), S. 91–95.

Josef Zösmair, Über die Burgen Alt- und Neu-Montfort in Vorarlberg. Schriften des Vereins für Geschichte des Bodensees und seiner Umgebung 10, 1880, S. 123–144.

2 Kommentare zu „Wein und wohlige Wärme – was will man mehr? Leben auf Neu-Montfort

  1. Ludwig Rapp
    seit einiger Zeit erhalte ich ihre Informationen und bin immer wieder begeistert
    von Thematik und redaktioneller Bearbeitung.
    Auch für einen, an Archeologie interessierten Laien, informativ und verständlich.
    Freue mich auf weitere Beiträge, danke im Voraus.

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