Die Stadt Feldkirch weist eine lange Tradition der Ziegelproduktion auf. Während die Ziegelmanufaktur der Gebrüder Schädler, die bis 1969 bestand, der einen oder dem anderen in Vorarlberg noch ein Begriff sein dürfte, wissen die wenigsten, dass die erste Ziegelei in Feldkirch bereits in römischer Zeit betrieben wurde. Am Fuße des Ardetzenberges, dort wo sich heute die Arbeiterkammer befindet, wurden bereits vor rund 1800 Jahren Ziegel produziert.
Die Erforschung dieser römerzeitlichen Ziegelei begann im Jahr 1963, als Schüler:innen in einer frisch ausgehobenen Baugrube in Widnau einen überwölbten, aus Ziegel gemauerten Gang entdeckten. Das Wissen um das alte Bauwerk verbreitete sich schnell von der Gendarmerie über den Obmann des Museumsvereins hin zum Stadtarchivar, der eine Meldung an das vorarlberg museum (damals Vorarlberger Landesmuseum) schickte. Die Nachricht stieß bei Elmar Vonbank, dem damaligen Museumsdirektor und Landesarchäologen auf großes Interesse, sodass er 1963 und 1964 zwei jeweils viertägige archäologische Kampagnen einleitete, in denen er die baulichen Überreste weiter freilegen und sorgfältig dokumentieren ließ. Schnell war klar, dass es sich bei besagtem Gewölbe um den Schürkanal eines römerzeitlichen Ziegelbrennofens handelte (Abb. 1).

In den folgenden Jahrzehnten wurden im Zuge von kleineren Baumaßnahmen, wie etwa der Verlegung von Leitungen, im näheren Umfeld immer wieder stark ziegelhaltige Schichten dokumentiert, jedoch keine weiteren Bauwerke festgestellt. Dies gelang erst im Jahr 2008, als erneut eine Baugrube auf demselben Grundstück ausgehoben werden sollte. Diesmal stand bereits zu Beginn der Bauarbeiten ein archäologisches Team auf der Baustelle, das im Laufe von zwei Monaten eine Fläche von 330 m² untersuchte, die baulichen Überreste freilegte und alles sorgfältig dokumentierte (Abb. 2). Bei diesen vom Bundesdenkmal geleiteten Ausgrabungen stieß man auf die Überreste von drei weiteren Ziegelbrennöfen, 68 Pfostenlöcher sowie auf eine Schlämmgrube und drei Grabenstrukturen. Aufgrund dieser neuen Entdeckungen stand fest, dass sich hier in römischer Zeit ein großer Ziegeleibetrieb befunden hat.

Im Zentrum der Ziegelei standen die vier Ziegelbrennöfen, die nacheinander errichtet und zumindest teilweise gleichzeitig in Betrieb waren. Alle Öfen waren bereits durch teils antike, teils moderne Bodeneingriffe und Baumaßnahmen gestört und somit nicht mehr vollständig erhalten. Drei der Öfen repräsentieren einen häufigen Bautyp von Ziegelbrennöfen (Typ IIF nach Le Ny): Sie sind rechteckig gestaltet wobei die Feuerkammer (Abb. 3) in zwei parallele Hauptkanäle und mehrere, durch Zungenmauern abgetrennte Querzüge unterteilt ist. Die Hauptkanäle waren mit Kraggewölben überspannt welche die Lochtenne (Abb. 4; ein Brennrost mit zylindrischen Durchlochungen, den sog. Pfeifen) trugen. Diese bildet zugleich den Boden der eigentlichen Brennkammer, also den Raum in dem das Brenngut – die luftgetrockneten Lehmziegel – geschlichtet wurde. Die Feuerkammer wurde von einer Bediengrube aus über den vorgelagerten, überwölbten Schürkanal befeuert.

Einer der drei Öfen dürfte nur eine temporäre Brennkammer besessen haben, dabei handelt es sich um eine dicke Schicht aus Lehm, die auf dem Brenngut angebracht wurde und der Abdeckung und Wärmeisolierung diente. Nach jedem Brennvorgang wurde die Lehmschicht aufgebrochen und die fertigen Ziegel entnommen.

Die anderen beiden Öfen hingegen dürften mit einer permanenten Brennkammer ausgestattet gewesen sein, die obertägig über einen Eingang an der Rückseite bestückt werden konnte.

Der letzte der vier Ziegelbrennöfen (Abb. 5) stellt eine Besonderheit dar, da es sich bei ihm um einen Kanalofen (Typ III nach Le Ny), handelt, der zwar eine simple aber vergleichsweise seltene Form darstellt. Der Ofen besteht nur aus einem langen, schmalen Kanal der in den Boden eingetieft wurde. Die Seitenwände sind aus rechteckigen Plattenziegel in einem Lehmverbund errichtet. Schürkanal und Feuerkammer bilden bei diesem Ofen eine bauliche Einheit. Das Brenngut wurde in bzw. oberhalb des Kanals aufgeschlichtet und für den Brennvorgang mit einer Lehmschicht überzogen.

Neben den Ziegelbrennöfen konnten noch eine überdachte Schlämmgrube, in der das Rohmaterial aufbereitet wurde, und zahlreiche Pfostenlöcher (Abb. 6) festgestellt werden, die die Reste von Gebäuden darstellen. Es handelt es sich dabei um große hölzerne Hallen, die mehrere Funktionen erfüllten: Sie dienten der Lagerung von fertigen Ziegeln und anderen Dingen wie etwa Brennholz (Abb. 7).

Anhand des Fundmaterials lässt sich nachweisen, dass in der Ziegelei in etwa vom Anfang des 2. Jahrhunderts bis mindestens an das Ende des 3. Jahrhunderts Ziegel produziert wurden. Die Produktionspalette umfasste überwiegend Dachziegel (Abb. 8), aber auch Plattenziegel, die vielseitig als Baumaterial eingesetzt werden konnten und Röhrenziegel (tubuli), die bei römischen Heizungen zum Einsatz kamen.

Einige Ziegel, die als Ausschussware vor Ort entsorgt wurden, geben auch Einblick in das damalige Leben. Die zahlreichen Tierspuren (Abb. 9), die sich auf den Ziegeln finden, zeugen von einem regen tierischen Treiben in der Ziegelei. Die Ritzzeichnung (Abb. 10) auf einem ausgesonderten Ziegelfragment könnte etwa in einer Arbeitspause von einem der Ziegler angefertigt worden sein.


Autorin:
Julia E. Rabitsch, Archäologisches Forschungsnetzwerk Innsbruck (AFIN)
Literatur:
Ulrich Brandl und Emmi Federhofer (Hrsg.), Ton + Technik. Römische Ziegel. Schriften des Limesmuseum Aalen 61 (Stuttgart 2010).
Françoise Le Ny, Le Fours de tuiliers gallo-romaines. Méthodologie. Ètude technologique, typologique et statisque. Chronologie. Documents d’Archéologie Française 12 (Paris 1988)
Johannes Pöll und Maria Bader, KG Feldkirch, SG Feldkirch, VB Feldkirch. Fundberichte aus Österreich 47, 2008, 72–74.
Julia E. Rabitsch, Die römische Ziegelei Feldkirch-Widnau. Wissenschaftliche Auswertung der Grabungsbefunde von 2008 unter Berücksichtigung der Altgrabungen. Archäologie-AF(f)IN 3. Jahresbericht des Vereins Archäologisches Forschungsnetzwerk Innsbruck (AFIN), 2024, 31–33.
Elmar Vonbank, Römischer Ziegelbrennofen in Feldkirch. Pro Austria Romana 13, 1963, 36–37.
ludwig.rapp@allgaeu.org
Besten Dank für diesen, wie immer, informativen und interessanten Bericht.
Hierzu eine Frage: Kann man die Ausgrabungsstätte besichtigen, oder ist sie
bereits wieder verfüllt ???
Mit herzlichen Grüßen
Ludwig Rapp
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Hallo Herr Rapp!
Die Untersuchungen wurden im Zuge einer Baustelle gemacht – auf dem Gelände steht heute die Arbeiterkammer Feldkirch. Eine Besichtigung ist leider nicht möglich.
Liebe Grüße,
Jakob Lorenzi
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